Gedanken über ...

Erwachsenwerden

 

Ostern ist vorbei, der heilige Jesus ist verendet und auferstanden...

 

Irgendeine Transformation hab ich auch hinter mir. Ständig eigentlich. Immer wieder erkenne ich mich nicht wieder, befinde mich in intensivem, emotionalem Zustand und lass mich trösten, mit 33... 

 

Noch kurz vorher Erwachsenwerden als Sich-selbst-mehr-und-mehr-kennen definiert, ist es jetzt für mich, mehr ein emotionales-Ich, vergangene-Ichs loslassen. Erwachsenwerden ist Vergangenheit loslassen, seine gewohnten Familienstrukturen bewusst verlassen und sich auf neue einstellen wollen; sich selbst eine Rolle zuschreiben; Unerfahrenen geben, anstatt von Reiferen zu nehmen. Man hat Wesentliches bekommen und gesehen, hat selbst plötzlich etwas zu geben, was in der Familie niemand annimmt. Waren vorher Gefühlsausbrüche etwas gerechtes, haben sie nun einfach nur noch was anstrengendes.

Ich empfinde mich nun als Teil einer Generation der Gesellschaft und bin aufgefordert aktiv zur Weltgeschichte beizutragen, wie und auf welchem Gebiet auch immer einem das gelingt. Wenn man gut aufgepasst hast, magst du dich selbst, von innen und von außen, vergibst Energie und lässt sie dir schenken.

 

Um so charmanter du dabei bist, desto mehr Ausstrahlung besitzt du, schätz ich, desto mehr Energie hast du übrig, schätz ich...

Und dann kommen die eigenen Kinder, die sie gebrauchen können. :)

Schätz ich.

 

06. April 2018

Nichtsweiter

 

Es ist... weißt Du, es ist...ach. Es ist... ein Abend weiter Nichts.

Es ist ein Abend, ein Abend an dem es ruhig ist, man satt ist, man noch nicht schlafen will und man sich ohne kalte Füße einen Tee macht. Ich glaub, dass ist bei mir Glücklichsein. Keine Musik, kein Wein. Weißt du, ich brauche gerade nichts. Mir ist auch nicht langweilig. Ich hab heute was geschafft, ohne es zu müssen und hatte alles da, weil ich's schon gestern besorgte. Ich kam heut in den Regen und wusste ich werde zu hause trocknen. Ich aß Schokolade und lies die Hälfte drin. Ich bekam eine Email von meiner Tante. Sie gratulierte, obwohl ich gar nicht Geburtstag hatte, zu meinem Leben. Es war nichts Schlimmes, mal. Außer das Übliche was ich kannte. Weißt du ich brauche gerade nichts. 

Frauen

 

Mir wurde vor einem halben Jahr bewusst, dass ich bereit bin für Familie. Für eine eigene. Doch als beziehungslose, unentschlossen, orientierungslose Mitte-Dreißige scheints schwierig. Das "von-süßen-Jungs-Angesprochenwerden" hat längst aufgehört, Alkohol und laute Musik, nie so richtig mein Ding, wusst ich gar nicht, wie mans macht und fand mich im Internet nach den Richtigen suchen. Als mich der Erste , statt zu begrüßen nach "Sex oder Liebe?" fragte, wusste ich, dass es harte Arbeit wird, den Vater meiner Kinder zu finden. Ist das, die Echtheit, die Wahrheit, die Ehrlichkeit, die einen als Frau beim modernen Mann erwartet? Ganz toll! Ich bin fassungslos. Gerade bei so einem Wunsch, wo Menschen sich so nah sind, sie alles teilen, will ich kein "Los und auf die Fresse!!"- Gerangel. Ich will auch kein Plastik, kein Make up und kein Personal-Trainer. Ich will keine Laktose-Intoleranz und auch kein Handy-Label-Vergleich. Ich will einen Freund, der liebevoll ist und authentisch. Leider gibt es, so gut wie nur, wenn ich mich umschaue, auf Optimierung hochgezüchtete Ich-Projekte, ohne Zeit für ein "Und wer bist du hinter dem ganzen Bio-Vegan-Instagram-Filter-Design?" Sie alle lieben sich, dieses Bild von sich. Fatal für meine Familienplanung. 

 

Deshalb liebe ich Frauen. Meine Freundinnen haben bereits Kinder oder Hunde als Ersatz. Sie waren bereits verheiratet, sind geschieden, leben aber auch allein, ohne Partner. Wie ich. Das ist so schade, dachte ich, denn wir sind tolle Menschen. Meine engsten Freundinnen sind kluge, hübsche Frauen zwischen 30-40. Sie haben wütende Phasen und Neuanfänge hinter sich, setzen sich für ihren Kiez ein, lieben es sich zu unterhalten und achten auf sich und andere. Wir haben wohl alle eins gemeinsam. Wir wissen nicht wie wir, Verantwortungsbewusstsein und sensibles, inneres Wesen, Loyalität und Autonomie, Gebende und Nehmende, Stärke beweisen und Schwäche zeigen, unter einen Hut bringen sollen. Ich glaub es geht vielen so, wenn nicht allen in meiner Generation, Frauen wie auch Männer. Daran müssen wir was ändern. Schauen wir hin! Unsere größte Angst verfolgt uns doch schon immer in den hässlichsten Träumen. Wollen wir das nicht erleichtert von Dannen ziehen sehen...? Leichter gesagt als getan.

 

Unser Anspruch auf unser Verhalten hat sich einem unsichtbaren Patriarchat angepasst. Ich sage uns, denn Frauen, die denken lernten, wollen auch Männer sein. Nicht körperlich, sondern mental. Sie müssen wenn sie ihren Stolz nicht verlieren wollen. Die ganze Werbewelt, die Firmen, die Schulen, alles ist diesem verflixten, männlichen Augenwinkel angepasst worden. Weil er mehr Geld bringt, weil eben Männer das Geld haben. Mich kotzt es an. Denn ich bin eine Frau. Ich entdeckte durch meinen Kinderwunsch, dass ich, auf den Markt geworfen, direkt wieder verdrängt werde. Junge Frauen, die wie Plastikpuppen, Hauptsache was hermachen, dem Mann seinen Wunsch erfüllen, an seiner Seite gut auszusehen, stehen ganz vorne. Selbst also einen anderen Menschen, ein anderes Wesen hat sich "der Mann" domestiziert. Zum Tausch gibt es dann den sozialen Aufstieg. Die Frau ist mit finanzieller Sicherheit eben glücklich zu machen und vor allem und viel wichtiger. Der Mann strahlt, denn andere Frauen stehen Schlange, welche sie toleriert. Das sind Zustände wie in Urzeiten. Aber für mich gefühlte Realität.  Vielleicht macht das auch Berlin mit einem... 

 

Männer werden in vielen Ländern bevorzugt, von klein auf trainiert "ein Mann zu sein", keine Schwäche zu zeigen, ganz nach der Devise: "Ein guter Mensch ist, wer einstecken kann." Männerlogik vom Feinsten. Eine selbstbestimmte Frau wird darauf antworten. Das zu denken gehört verboten, denn es bedingt einen der austeilt. Stop! So eine Welt will ich nicht.

Ein Zusammenleben auf Augenhöhe, wie ich es kenne, ist auf der restlichen Welt nicht selbstverständlich! Frauen werden dominiert, bestraft, verletzt, verflucht, diskriminiert, verarscht, verprügelt, verstoßen, belogen nur weil sie keine Männer sind. Frauen stehen unter dem Druck, erstens, das zu überleben und zweitens sich durchzusetzen in einer Welt, die keinen Platz macht für ihr Gehirn. Jeder will zuerst, alles Hauptsache schick, Reichtum bestimmt das Ziel unserer Augen. Solidarität, Menschlichkeit, Mitgefühl zu zeigen und danach zu handeln wird immer schwerer, auch weil die Abgründe zur Armut kaum noch zu ertragen sind. Und so verrohen selbst die Frauen, die das Gleichgewicht hätten wieder herstellen können. 

 

Liebe Männer, Liebe Frauen (so rum, weil alles andere geheuchelt ist),

erinnert Euch an eine zarte Welt. Seid traurig, darüber, dass sie nur noch ganz selten existiert. Seid traurig, darüber das so lange Zeit vergangen ist, in der wir nix getan haben. Wenn ihr Schuld und Schmerz fühlt, ist es an der Zeit Verhalten zu ändern. Jetzt! Denn die Erde existiert über uns hinaus. Sie ist ein großer Organismus, der sein Immunsystem anschaltet, wenn die Menschen nicht intelligent (also win-win) mit allem zusammenwirken und auf Überleben aus ist.

Leben wird sich durchsetzen! Sei dabei.

Die Wahlen

 

Ich verfolge im Fernsehen die Wahlen des Bundestags gewissenhaft, habe Zeit mir anzuhören womit SPD, Linke, die Grünen und Co. mich überzeugen wollen. Sie sprechen von sozialer Gerechtigkeit, Waffenexportestop, hohes Bildungseinrichtungsbudget, Kitaplätzen und ein starkes Europa. Fein. Das stieß in meinem Kopf an, was ich mir eigentlich vorstelle. Was ich wirklich will für diese Welt, Deutschland und meine unmittelbare Erlebniswelt, ist: Frieden und weniger Angst auf der Welt, Toleranz und Interesse dem Anderen gegenüber, Rückzugsmöglichkeiten in echter Natur und attraktive öffentliche Plätze die gern Gesellschaft herbergen, weniger Chemikalien in Gerüchen und Geschmäckern, Wasser, dass aus Leitungen trinkbar ist und Schulen, die nicht nur für kultivierte, gebildete und selbstbewusste Menschen ist, sondern eben für die, die es werden wollen und weniger abgestumpft sind in ihrem Lebensgefühl. Ich wünsch' mir eine Industrie, die versteht, dass ein Kreislauf immer wieder sauber zurückkäme und eine, die nicht einfach eine Schmutzkette irgendwohin absondert. Auch müsste ich überlegen, wie man diesen ganzen Konsum und diese andauernde Produktion von Ramsch stopp. Es ist genug da! Produziert doch lieber was mit Euren Hirnen. Bitte. Politik ist nicht einfach ohne ruhig zu bleiben. Deshalb hier, halt. Sicher habe ich noch ganz, ganz viele Bereiche nicht bedacht, aber... Ich brauche Zeit, wie jeder normale Mensch der lebt eben Zeit braucht für andere Dinge. Keine wichtigen oder doch eben genau wichtige, essen, Kaffeetrinken, spazieren gehen, mit Freunden telefonieren oder einfach Bilder malen weil eines plötzlich im Gehirn aufploppt, Abstand gewinnen! Denn sonst, wenn man das nicht macht, will man einfach nur zum Arzt gehen, kann nicht aufholen, was man alles nicht gemacht hat und fällt einfach um. So eine Politik sehe ich, so eine Politik will ich nicht. Der Mensch ist an seiner Effizienz und körperlichen Belastungsgrenze angekommen, wir müssen anhalten oder "Neiinn, großer Gott!" ich bin nicht dafür, Roboter für alles einzusetzen. Oder doch?! Herje, Politik. Peace.

 

24. August 2017


Die Gesunden

 

C. hat Multiple Sklerose. Wir telefonieren oft. Wir stellten fest, dass wir beide über "die Gesunden" sprachen. Für mich sind es diejenigen, die gesunde Psychen mitbringen, die sich konzentrieren können, die funktionieren können; für sie diejenigen die laufen können. Also ist sie es für mich und ich es für sie. Es war interessant! Obwohl es eigentlich ja so klar ist, dass jeder Mensch seine ganz eigene Welt lebt, gibt es Begegnungen, die einem nochmal verdeutlichen, wie sehr man selbst in seiner Wahrheit lebt.

Gerade Nachbarn und C. ist meine Nachbarin sind oft sehr verschiedene Menschen, die sich aber viel zu erzählen haben, super unterhalten können, schnell Themen finden, weil sie ja in der gleichen Gegend wohnen, die gleichen Läden und Friseure besuchen. Da kommt Kiezfeeling auf! Viel zu selten fand ich das in Berlin.

 

Noch eins: Ich hasste am genannten Tag alle Männer, wahrscheinlich alle Menschen, die unsensibel waren. Sie überfuhren Fußgängerüberwege ohne zu gucken. Sie rempelten sich fast um, weil sie kein Platz machen beim Vorbeigehen. Sie regten sich auf, wenn jemand an der Kasse vorgelassen wurde. Und wie ich so auf dem Fahrrad zu einer Freundin fuhr, Männer in ihren schreienden Autos hasste, wirklich hasste und darin aufging, so gar laut über ihre Hässlichkeit fluchte, überholte mich plötzlich ein junger Mann und machte mir über die Schulter eine breite, lachende Fratze. Ich war schockiert und dann tief berührt. Ich weiß nicht, ob es sein Down-Syndrom war oder seine Persönlichkeit aber er hat die Kraft zu heilen. Eine schöne Erfahrung. Ich bin mir sicher, dass er mein Inneres vielleicht sah und gespürt hat. Und er traf mich bis ins Mark. Vielen Dank.

 

06. August 2017